Eifersucht – Fluch oder Segen?
Aus Eifersucht wurden früher Kriege geführt und sie bewegt heute noch zu Gewalttätigkeiten oder auch „nur“ zu fürchterlichem Streit in einer Beziehung. Sigmund Freud, viele Forscher und Wissenschaftler befassten sich mit Eifersucht, doch diese fachlichen Betrachtungen trösten Betroffene wenig, wenn in ihrer Beziehung die Eifersucht zum Liebeskiller wird.
Normale und krankhafte Eifersucht
Viele kennen diesen kleinen Stich im Herzen, wenn der Partner im intensiven Gespräch mit einer Frau beziehungsweise einem Mann beobachtet wird. Doch ein kurzes Nachdenken verdrängt diesen kleinen Anflug von Eifersucht, weil der Verstand und das Grundgefühl in der Beziehung bestätigen, dass die Eifersucht unbegründet ist. Wahrscheinlich erlebte jeder bereits eine solche oder ähnliche Situation, zum Glück ist dieses unangenehme Gefühl der Eifersucht schnell verflogen und hat keine nennenswerten Auswirkungen auf die Paarbeziehung. Sollte diese leichte, noch normale Form der Eifersucht jedoch verstärkt auftreten und längere Zeit an einem nagen, sollte am besten mit dem Partner vorwurfslos darüber gesprochen und erforscht werden, was in der Beziehung nicht stimmig ist. Denn meist besitzt die Eifersucht ihren Ursprung in der mangelnden Bestätigung als Partner in der Beziehung.
Die krankhafte Eifersucht dagegen klingt niemals ab, ständig sucht der Eifersüchtige nach Gründen für seine Eifersucht und oft sind die Anlässe für Eifersuchtsanfälle aus der Luft gegriffen. Auch übermäßige Reaktionen aus Eifersucht gehören der krankhaften Form an, beispielsweise wenn Gewalt gegen den potentiellen Konkurrenten oder gegen den Partner ausgeübt wird.
Gründe für Eifersucht sind geschlechtsabhängig
Männer und Frauen haben meist unterschiedliche Gründe für Eifersucht. Frauen empfinden eher Eifersucht, wenn sie sich auf der Gefühlsebene betrogen fühlen, also wenn sie den Eindruck besitzen, dass der Mann sich emotional an eine andere Frau binden könnte. Männer dagegen reagieren mit Eifersucht, wenn sie das Gefühl haben, dass sie von ihrer Frau körperlich, also sexuell hintergangen werden. Dennoch schließt das eine das andere natürlich nicht aus.
Gehören Eifersucht und Liebe zusammen?
Viele denken, dass Eifersucht und Liebe untrennbar sind. Sieht man davon ab, dass Liebe schwer zu definieren ist, muss verinnerlicht werden, dass jemanden zu lieben unter anderem bedeutet, dass man ihn nicht einengen darf. Ausreichend Vertrauen muss dazu vorhanden sein, es ist die Basis einer jeden Liebesbeziehung. Der geliebte Mensch soll frei sein, sich entfalten können und zudem von seinem Partner Unterstützung erfahren. Liebe ist ein Geschenk, Liebe soll zwischen zwei Menschen die positiven Emotionen vermehren und nicht schlechte Gefühle hervorrufen, wie es bei Eifersucht geschieht. Insofern gehören Eifersucht und Liebe nicht zusammen, eher das Gegenteil ist der Fall. Bestätigung darüber ist zu finden, wenn glückliche Beziehungen hinterfragt werden. Eifersucht ist zwischen zufriedenen Partnern kein Thema, sie vertrauen sich gegenseitig und vor allem ist sich jeder Partner bewusst, dass er der Liebe des Partners würdig ist, weil er sich selbst liebt und annimmt.
Extreme Eifersucht ist ein Fluch
Auf keinen Fall ist übermäßige Eifersucht ein Liebesbeweis, sondern der Beweis, dass der Eifersüchtige sich selbst als Person als nicht liebenswert empfindet, das Selbstwertgefühl ist sehr gering. Die Folge: Der Eifersüchtige sucht ständig nach Beweisen, dass der Partner untreu ist oder war, dazu wird dem Partner nachspioniert, Handys werden durchsucht, Taschen kontrolliert und unhaltbare Vorwürfe gemacht. Wer mit einem krankhaft Eifersüchtigen lebt, wird nicht selten in einen Strudel aus Streit und/oder Gewalt gezogen, Raum für Liebesgefühle ist nicht mehr vorhanden, sondern es entsteht ein beengender Käfig. Eifersucht ist für beide ein wahrer Fluch. Professionelle Hilfe ist bei extremen Ausprägungen von Eifersucht dringend notwendig, frühzeitig, bevor sich die Schlinge der negativen Gefühle und Ängste bei beiden zu eng zuzieht. Die wichtigste Erkenntnis für den Eifersüchtigen besteht am Anfang darin, dass er für seine Eifersucht verantwortlich ist, nicht der Partner.
Wann ist Eifersucht doch ein Segen?
Eifersucht ist als Indikator ein Segen, denn Gefühle sind dazu da, Empfindungen aus dem Unterbewusstsein ins Bewusstsein zu befördern. Eifersucht als solches Gefühl betrachtet kann somit als Anzeiger für Unstimmigkeiten in der Beziehung oder auch in der (gemeinsamen) Auslegung der Beziehung dienen.
Ein Beispiel: Aus Neugierde und Lust auf neue, erotische Erfahrungen einigt sich ein Paar gemeinschaftlich auf einen Besuch in einem Swinger-Club oder vielleicht auch darauf, eine dritte Person ins gemeinsame Bett zu holen. Zuerst erscheint der Gedanke beiden als prickelnd und erregend, es bestehen keine Bedenken. Als aus der erotischen, erregenden Fantasie jedoch Realität wird, spürt einer der beiden, wie Eifersucht in ihm aufkommt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass man mit der tatsächlichen Konfrontation des zuvor erstrebenswert erschienenen augenscheinlich überfordert ist. Die einzige, richtige Konsequenz: Dieses Gefühl seinem Partner beschreiben und erklären und gemeinsam entscheiden, wie man damit umgehen wird.
Eifersucht kann auch der Hinweis darauf sein, dass das Gefühl des Misstrauens dem Partner gegenüber gerechtfertigt ist. Unsere feinen Antennen nehmen oft Dinge wahr, die das Bewusstsein nicht erfassen kann, jedoch auf der Gefühlsebene ausgeben werden, beispielsweise als Eifersucht. Keine Lösung ist allerdings einen Streit vom Zaun zu brechen, sondern – wie so oft im Leben – darüber zu reden und die Wahrheit zu ergründen.
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